Wildtiere & Tierschutz

Früher dunkel, mehr Wild auf der Strasse: So schützt du Tiere nach der Zeitumstellung

· Team Pfotenkarte · 3 Min. Lesezeit

In der Nacht auf Sonntag, den 25. Oktober, wurden die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Für uns heisst das: eine Stunde mehr Schlaf – und ab heute einen Heimweg, der früher in der Dämmerung liegt. Für Wildtiere ändert sich dagegen nichts. Und genau darin liegt das Problem.

Wildtiere kennen keine Winterzeit

Rehe, Hirsche, Wildschweine und viele andere Arten richten ihren Tag nach dem Licht, nicht nach der Uhr. Besonders in der Morgen- und Abenddämmerung sind sie unterwegs, um Nahrung zu suchen. Mit der Zeitumstellung trifft der Pendlerverkehr nun häufiger genau auf diese Zeitfenster. Der Schweizer Tierschutz STS ruft deshalb zu erhöhter Vorsicht auf.

Dazu kommt laut der Mobiliar, dass ab Oktober bei den Hirschen die Brunftzeit beginnt und viele Tiere sich auf die Nahrungssuche für den Winter konzentrieren. Der Kanton Solothurn weist darauf hin, dass in letzter Zeit vermehrt Kollisionen mit Rotwild registriert wurden – ein ausgewachsener Rothirsch kann gegen 300 Kilogramm und mehr wiegen.

Was die Zahlen zeigen

Gemäss STS sterben auf Schweizer Strassen jedes Jahr rund 20'000 Wildtiere, darunter rund 7'600 Rehe, dazu Tausende Füchse und Dachse. Nach der Jagd sind Verkehrsunfälle die zweithäufigste bekannte Todesursache grosser Wildtiere in der Schweiz (Bundesamt für Umwelt BAFU). Die Dunkelziffer dürfte höher liegen, weil nicht jeder Unfall gemeldet und nicht jedes verletzte Tier gefunden wird.

Die Mobiliar hat ihre eigenen Schadenfälle von 2021 bis 2025 ausgewertet: Versicherte meldeten über 10'500 Wildunfälle mit Schäden an Motorfahrzeugen. Im letzten Quartal liegt die Zahl rund 12 Prozent über dem Jahresdurchschnitt. Am häufigsten betroffen waren Rehe und Hirsche (rund 7'350 Fälle), gefolgt von Füchsen (1'020), Dachsen (900), Vögeln (580) und Wildschweinen (510). Besonders oft kracht es im Thurgau und in Graubünden.

Der STS erinnert aber auch daran: Wildunfälle sind nicht nur ein Herbstthema. Wo Strassen die Wege zwischen Futterplätzen und Ruheorten durchschneiden, kommt es das ganze Jahr zu Zusammenstössen – eine Folge der Zerschneidung von Lebensräumen.

So kannst du Wildunfälle vermeiden

Wenn es doch passiert: immer melden

Wer ein Tier anfährt, ist gesetzlich verpflichtet, den Unfall sofort zu melden – auch wenn das Tier davonläuft. Wer weiterfährt, macht sich strafbar. Der Grund ist vor allem ein tierschützerischer: «Angefahrene Tiere können, schwer verletzt irgendwo in Deckung, tagelang leiden und qualvoll verenden», sagt Mark Struch, Wildbiologe beim Kanton Solothurn. Nur nach einer Meldung kann die Wildhut das Tier mit ausgebildeten Hunden suchen und es wenn nötig erlösen.

So gehst du vor:

Die Meldung ist übrigens meist auch Voraussetzung dafür, dass die Versicherung den Schaden übernimmt.

Ein kleiner Beitrag mit grosser Wirkung

Auf der Pfotenkarte geht es meistens um Tiere, die ein neues Zuhause suchen. Tierschutz beginnt aber schon viel früher – manchmal auf dem Heimweg, mit dem Fuss etwas weniger tief auf dem Gaspedal. Wer in den nächsten Wochen in der Dämmerung unterwegs ist: Fahr achtsam, rechne mit Wild und melde jeden Zusammenstoss. Für das Reh am Waldrand kann das den Unterschied machen.

Quellen

  1. Schweizer Tierschutz STS: «Wildunfälle: Nach der Zeitumstellung steigt das Risiko» (23. Oktober 2026) – tierschutz.com/wildunfaelle-nach-der-zeitumstellung-steigt-das-risiko/
  2. Die Mobiliar: Medienmitteilung «Achtung Wildtiere: Unfälle nehmen ab Oktober zu» (8. Oktober 2026) – mobiliar.ch/ueber-uns/medien/medienmitteilung/achtung-wildtiere-unfael
  3. Kanton Solothurn: «Mehr Wildunfälle auf Strassen aufgrund der Zeitumstellung» (22. Oktober 2026) – so.ch/verwaltung/staatskanzlei/medien/medienmitteilung/news/mehr-wildu

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