Tierschutz & Adoption

Volle Tierheime, wartende Hennen: Warum Adoptieren gerade jetzt zählt

· Team Pfotenkarte · 3 Min. Lesezeit

Wer in den letzten Monaten mit einem Schweizer Tierheim gesprochen hat, hört oft denselben Satz: «Wir sind voll.» Die neue Tierschutzstatistik des Schweizer Tierschutz STS bestätigt das – auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick etwas anderes vermuten lassen.

Weniger Aufnahmen, aber keine Entwarnung

Die Tierheime und Auffangstationen von 66 STS-Sektionen haben 2025 insgesamt 30'681 Tiere aufgenommen. Das sind knapp 1'400 Tiere oder 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr (2024: 32'079). Klingt nach Entlastung – ist es aber nicht. «Die Belastung der Tierheime lässt sich nicht allein an der Zahl der Neuaufnahmen messen», sagt Marco Mettler, Geschäftsführer des STS.

Der Grund: Die Tiere bleiben länger. 2025 konnten 16'520 Tiere vermittelt werden, rund 2'300 weniger als im Jahr davor (2024: 18'829). Gerade Tiere mit besonderen Ansprüchen an ihren künftigen Platz finden nicht so schnell ein passendes Zuhause und belegen die Plätze über längere Zeit. Einzelne Tierheime berichten laut STS sogar, dass Tiere vorübergehend bei Mitarbeitenden wohnen, weil alle Plätze belegt sind.

Wer im Tierheim landet

Rund vier von fünf Aufnahmen sind sogenannte Verzichttiere – Tiere, die ihre Halterinnen und Halter freiwillig abgegeben haben (2025: 24'791). Die grösste Gruppe sind mit 18'904 Tieren erneut Fische, die oft in grösserer Zahl abgegeben werden. Danach folgen gemäss Nau.ch 6'816 Katzen, 1'814 Nager und 1'696 Hunde.

Wie sich das im Alltag anfühlt, zeigt ein Beispiel aus dem Sommer: Das Katzenheim des Tierschutzbunds Basel Regional meldete Ende Juli 140 Katzen und nur noch zwei freie Notfallboxen. Allein in einer Woche kamen 28 Tiere dazu, darunter 18 Katzen aus einem einzigen Tierschutzfall.

Auch Hühner warten auf ein Zuhause

Nicht nur Hunde und Katzen suchen einen Platz. Legehennen werden in der Eierproduktion nach einer bestimmten Zeit «ausgestallt» – ihre Legeleistung lässt nach, und für den Betrieb lohnen sie sich nicht mehr. Projekte wie «Rettet das Huhn» der Stiftung STINAH übernehmen solche Hennen kostenlos von den Betrieben und vermitteln sie an private Haushalte. 2025 fanden so 3'060 Hühner und 29 Hähne ein neues Zuhause; seit Beginn des Projekts sind es insgesamt 29'985 Hühner und 140 Hähne (Stand 29. Dezember 2025). Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich, eine Spende von 10 Franken pro Huhn deckt die Kosten.

Die nächsten Termine stehen bereits fest: «Rettet das Huhn» plant Rettungen am 28. und 29. Dezember, die Warteliste ist offen. Der Verein Lebenshof Sinulay in Wetzikon sucht Ende November ein Zuhause für rund 180 Hennen aus dem Zürcher Oberland. Wer Hühner aufnehmen möchte, braucht genug Platz – «Rettet das Huhn» empfiehlt mindestens 15 Quadratmeter Tagesauslauf pro Huhn.

Was du tun kannst

Hinter jeder Zahl steht ein Tier mit eigener Geschichte. Vielleicht wartet eines davon ganz in deiner Nähe.

Quellen

  1. Schweizer Tierschutz STS: Medienmitteilung «Tierschutzstatistik 2025: Weniger aufgenommene Tiere, aber keine Entspannung für die Tierheime» (9. September 2026) – presseportal.ch/de/pm/100019041/100942121
  2. Schweizer Tierschutz STS: Tierschutzstatistik – tierschutz.com/tierschutz/sts-tierschutzstatistik/
  3. Nau.ch: «Tierheime bleiben voll trotz weniger Neuzugängen» – nau.ch/news/schweiz/tierheime-bleiben-voll-trotz-weniger-neuzugangen-6
  4. 20 Minuten: «Tierheim Basel am Limit: 140 Katzen überlasten den Tierschutzbund» (28. Juli 2026) – 20min.ch/story/basel-arbeiten-seit-wochen-am-absoluten-limit-tierheim-
  5. Rettet das Huhn (Stiftung STINAH): Startseite und Rettungschronik – rettetdashuhn.ch/
  6. Rettet das Huhn: Fragen & Antworten – rettetdashuhn.ch/voraussetzungen/fragen-antworten/
  7. Verein Lebenshof Sinulay: Hühner aufnehmen – lebenshof-sinulay.ch/huehneraufnehmen

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